Die historischen Felsenkeller in Schwandorf

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Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts gingen die Brauer vielerorts dazu über, untergäriges Bier herzustellen, um damit ein süffigeres und länger lagerfähiges Gebräu zu erhalten. Weil aber dieser Gärvorgang nur bei konstanten Temperaturen unter 10°C effizient ist, brauchte man dafür geeignete Räume. So wurde es allgemein üblich, zu diesem Zweck Felsenkeller anzulegen. Mit ihrer über das ganze Jahr gleich bleibenden Kühle von 8 bis 9°C boten sie ideale Bedingungen für die Gärung und eine optimale Trink- und Lagertemperatur des Gerstensafts.

Das umfangreichste, komplexeste und wohl auch mit das älteste Ensemble derartiger Anlagen in Bayern liegt unter der Stadt Schwandorf. Über 130 Felsenkellerräume wurden vom Ende des 15. Jahrhunderts bis ins frühe 20. Jahrhundert im Eisensandstein des Berges angelegt. Sie bezeugen die einst rege Brautätigkeit und deren hohen Rang im damaligen Wirtschaftsgefüge der Stadt.

Die Erbauer dieser beeindruckenden, tief im Berg liegenden Keller, waren die brau- und schankberechtigten Bürger. Gebraut werden musste in den beiden kommunalen, d. h. städtischen Brauhäusern an der Naab, weshalb man diese Leute Kommunbrauer nannte. Schon sehr früh wuchs das Braugewerbe in Schwandorf zu einem ansehnlichen Wirtschaftsfaktor und wird bereits im Jahr 1600 neben der Landwirtschaft und der Fischerei als wichtigste Einnahmequelle der Stadt und ihrer Bewohner bezeichnet.

Sekundäre Nutzung der Felsenkeller

In der Inflationszeit nach dem 1. Weltkrieg kam dann das Kommunbrauwesen zum Erliegen. Jetzt wurden die Felsenkeller vermehrt sekundär, z. B. zur Lagerung landwirtschaftlicher Produkte, aber auch von Wein und Spirituosen genutzt. Manche Räume fanden daneben als „Kühlschränke“ für Lebensmittel des täglichen Bedarfs Verwendung.

Felsenkeller als Luftschutzbunker

Hatten die Felsenkeller in der Vergangenheit enorme Bedeutung und Anteil am steten wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt, so sollten sie sich wenig später als Luftschutzbunker  bewähren, als in der schicksalsschweren Nacht zum 17. April 1945 ein britisch-kanadisches Geschwader den größten Teil der Stadt in Schutt und Asche bombte. Über 6000 Menschen suchten während dieses Angriffs Zuflucht in den Felsenkellern.

Die Felsenkeller als Sehenswürdigkeit

Obschon die Felsenkeller als Luftschutzbunker viele tausend Menschen vor dem Tod bewahrt hatten, wurden sie nach dem Krieg dem allmählichen Verfall preisgegeben und ihr Schicksal als unterirdische Müllhalden schien besiegelt. Vor einigen Jahren jedoch erkannten die Stadtväter das Potential, das in ihnen als herausragende Sehenswürdigkeit steckt und rückten sie wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung. Ein Teil dieser imposanten Anlagen – das sog. Labyrinth mit seinen über 60 Räumen – wurde saniert und der Öffentlichkeit über Führungen zugänglich gemacht. In einem weiteren Felsenkeller an der Fronberger Straße finden kulturelle Veranstaltungen (Blues, Jazz, Rock, Pop, Folk, Kleinkunst und Kabarett) statt.

Bayerns größtes Felsenkeller-Labyrinth
Große Kreisstadt Schwandorf | Amt für Kultur und Tourismus
Spitalgarten 1, 92421 Schwandorf

Ansprechpartner:
Hans-Werner Robold M.A. | Felsenkellerbeauftragter
Telefon 0 94 31 / 45-124
E-Mail: felsenkeller@schwandorf.de
www.felsenkeller-labyrinth.de

Erleben und staunen! Gruppenführungen jederzeit, Termine für einzelne Teilnehmer siehe Presse und Internet