Mystisches, Markantes und Munteres

Appenzeller Land

Silvesterchläuse – „Bloch“ oder „Alpfahrt“. Der Kalender gibt den Takt im Appenzeller Leben an. In keiner anderen Region der Schweiz werden Tradition und Brauchtum so intensiv gelebt wie im Appenzellerland. Ab Mitte Mai fahren Sennen in ihrer traditionellen Tracht mit den Tieren auf die Alp. Dabei schreitet der Senn stolz in festlicher Volltracht voran, versehen mit gelben Lederkniehosen, roter Tuchweste, einem mit Blumen und Bändern verzierten schwarzen Hut, beschlagenen Hosenträgern, weissen Kniesocken und Sennenschmuck. Begleitet wird er von drei der schönsten Kühen mit Senntumschellen. Vier Sennen marschieren in ihrer Tracht vor dem restlichen Vieh. Pferdewagen, Alpgerätschaften, Schweine. die Bauern und Appenzeller Bläss bilden den Schluß.Im Herbst wird an den Viehschauen die schönste Kuh gekürt.

Alljährlich bereiten die Appenzeller ihr Kühe mit viel Liebe für die Viehschauen vor. Die Sennen bringen ihre geschmückten und herausgeputzten Kühe und Stiere auf den Schauplatz wo eine fachkundige Jury die Tiere begutachtet und rangiert, soll doch die Schönste mit nach Hause genommen werden. Das Appenzellerland gleicht einer anderen Welt – ursprünglich und echt.

Von „Schöne“ und „Wüeschte“ Chläusen
Der wohl urtümlichste Appenzeller Winterbrauch ist das Silvesterchlausen. Am letzten Tag des Jahres – und in Urnäsch auch am 13. Januar, ziehen Männer und Knaben mit kunstvoll geschmückten Masken, Gewändern und typischen Klausenrollen durch die Gemeinden des Ausserhoder Hinterlandes. Früh morgens gehen „Schöne, Wüeschte“ sowie „Wald- und Naturchläuse“ in Gruppen, den so genannten „Schuppel“, durch die Straßen. Mit Schellen und Chlausenrollen ziehen sie von Tür zu Tür und tragen“Chlausezäuerli“ vor. Sowohl die einheimische Bevölkerung wie auch anwesende „Zaungäste“ aus dem In- und Ausland lassen sich von diesem Brauch berühren.

Die Fastnachtszeit birgt einzigartige Appenzeller Bräuche wie das „Bloch“. Ein Baumstamm wird auf einen mit Tannenreisig geschmückten Wagen gebunden und begleitet von Peitschenknallen und Blasmusik durch Dörfer des Ausserrhoder Hinterlandes gezogen. Die Buben von Hundwil, Stein und Schwellbrunn ziehen jedes Jahr am Montag nach Aschermittwoch, dem so genannten Blochmontag, ihren Buebebloch durch die Dörfer. In Herisau und Waldstatt wird an Aschermittwoch Gidio Hosestoss gedacht. Dieser soll an einem gestohlenen Leckerli erstickt sein. Ein farbenprächtiger Kinderumzug geleitet die Strohpuppe zur Abdankung und die Trauernden, darunter auch seine Mutter Eulalia Fadehäx, geb. Chuefödle, sitzen als verkleidete Schulkinder mit riesigen Maskenköpfen auf den Leiterwagen. Auf anderen Wagen werden die Ereignisse des Jahres dargestellt. Am Funkensonntag wird Gidio Hosestoss auf einem geeigneten Platz in einem riesigen Feuer verbrannt. In Innerrhoden wetteifern die einzelnen Gemeinden um Appenzell herum, wer den größten Funken zünden kann.

Von Kunst und Geschick
Tradition und Brauchtum werden nicht nur gefeiert, sondern auch gelebt. Im Appenzellerland sind Handwerker in Berufen tätig, die andernorts längst verschwunden sind wie z. B. Glockensattler, Schindelmacher, Weissküfer oder Stickerin. Liebhaber von Senntumschellen oder Trachtenschmuck reisen schon mal von fern an um diese einzigartigen Kunstwerke zu erstehen.
Fotos: Appenzellerland Tourismus AR